Wie Lampenfieber leise Persönlichkeiten ausbremst – und warum genau sie dort hingehören
„Ich weiß gar nicht, ob ich auf die Bühne gehöre. Ob ich da überhaupt richtig bin.“
Diese Frage stellen sich viele Menschen, wenn sie beginnen, öffentlich zu sprechen. Fachlich sind sie sattelfest, ihr Thema beherrschen sie souverän. Sie bekommen die Chance, Vorträge zu halten, ihre Expertise zu zeigen, sichtbar zu werden. Und trotzdem fühlt sich etwas nicht stimmig an.
Sie stehen auf der Bühne, erhalten positives Feedback, Anerkennung, Applaus – und fühlen sich innerlich fremd. Unsicher. Im Vergleich zu anderen Speakern scheinbar im Nachteil. Die anderen wirken lauter, witziger, präsenter. Menschen, die mühelos Raum einnehmen. Und dann kommt der Gedanke: Vielleicht passe ich hier einfach nicht rein.
Viele dieser Menschen beschreiben sich selbst als introvertiert, ruhig, reflektiert. Und in ihrem inneren Bild passt das nicht zur Bühne. Denn Bühne bedeutet in ihrer Vorstellung Lautstärke, Schlagfertigkeit, Entertainment. Lampenfieber entsteht hier nicht aus mangelnder Kompetenz, sondern aus einem inneren Konflikt: dem Gefühl, falsch zu sein.
Lampenfieber beginnt oft mit einer falschen Annahme
Obwohl der Wunsch da ist, sich zu zeigen, die eigene Expertise zu präsentieren und die Chancen zu nutzen, beginnt das Grübeln. Wie kann ich auf der Bühne funktionieren? Wie schaffe ich es, mich dort weniger fremd zu fühlen?
Viele greifen dann zu einem vermeintlich naheliegenden Ansatz: fake it till you make it. Sie versuchen, so zu sein wie die anderen. Lauter, witziger, extravertierter. Sie orientieren sich an Vorbildern, die auf der Bühne souverän und selbstverständlich wirken, und übernehmen deren Muster, Tonfall und Haltung.
Doch genau hier verschärft sich das Lampenfieber. Denn sich zu verstellen kostet Energie. Die innere Diskrepanz zwischen dem, was man ist, und dem, was man glaubt sein zu müssen, erzeugt Stress. Die Auftrittsangst nimmt zu, die anfängliche Motivation weicht Frust. Es fühlt sich einfach nicht richtig an.
Wenn Lampenfieber zur inneren Grenze wird
Irgendwann ziehen viele die Konsequenz. Sie lehnen Einladungen ab, ziehen sich zurück, nutzen Chancen nicht mehr. Der Gedanke verfestigt sich: Vielleicht habe ich recht. Vielleicht bin ich einfach nicht für die Bühne gemacht.
An diesem Punkt wird Lampenfieber mehr als nur Nervosität. Es wird zur inneren Selbstdiagnose. Die Bühne wird abgeschrieben – nicht aus Desinteresse, sondern aus Selbstschutz.
Doch oft kommt die Bühne zurück.
Mit wachsender Expertise, neuen Projekten, mehr Verantwortung. Plötzlich entsteht Aufmerksamkeit. Anfragen aus der Fachszene. Einladungen zu Kongressen. Der alte Sog ist wieder da – und mit ihm die alten Glaubenssätze.
Lampenfieber lösen heißt nicht, jemand anderes zu werden
Der entscheidende Unterschied entsteht dort, wo Menschen beginnen, das Thema bewusst anzugehen. Nicht mit dem Ziel, sich zu verändern, sondern mit der Frage: Wie kann ich auf der Bühne ich selbst sein?
In der Arbeit an Lampenfieber geht es nicht darum, extrovertiert zu werden oder eine Rolle zu spielen. Es geht darum, innere Blockaden zu erkennen, alte Glaubenssätze zu hinterfragen und Ressourcen aufzubauen, die Sicherheit geben.
Der Wendepunkt kommt oft mit einer einfachen, aber tiefgreifenden Erkenntnis: Es ist nicht notwendig, laut zu sein, um wirksam zu sein. Im Gegenteil. Ruhe, Klarheit, Tiefe und fachliche Substanz entfalten auf der Bühne eine eigene, starke Wirkung.
Authentizität als Verstärker statt als Risiko
In dem Moment, in dem Menschen aufhören, sich zu verstellen, verändert sich ihre Präsenz grundlegend. Lampenfieber verliert an Macht, weil kein innerer Widerstand mehr da ist. Keine Maske, die gehalten werden muss. Keine Rolle, die gespielt wird.
Die Wirkung wird klarer, glaubwürdiger, nachhaltiger. Das Publikum hört zu. Veranstalter werden aufmerksam. Es folgen weitere Einladungen, Gespräche, Formate. Sichtbarkeit entsteht nicht durch Lautstärke, sondern durch Stimmigkeit.
Viele machen dabei eine überraschende Entdeckung: Das wirkt. Und zwar genau so, wie sie sind.
Lampenfieber überwinden heißt, den eigenen Platz einzunehmen
Lampenfieber hat viel weniger mit der Bühne zu tun als mit der eigenen Erlaubnis, dort zu stehen. Die Bühne ist kein Ort für bestimmte Persönlichkeitstypen. Sie ist ein Ort für Menschen, die etwas zu sagen haben.
Wirkung entsteht dort, wo du bei dir bleibst.
Wenn du spürst, dass du Expertise hast, dass du beitragen willst, dich aber innerlich immer wieder zurückziehst, lohnt sich ein genauer Blick. Nicht auf deine vermeintlichen Defizite, sondern auf deine Stärken.
Denn Lampenfieber verliert seine Macht genau in dem Moment, in dem du aufhörst, jemand anderes sein zu wollen – und beginnst, deinen Platz einzunehmen.
Ich habe mal eine Kundin betreut, die genau das erlebt hat. Wenn dich ihre Geschichte interessiert, findest du das Video dazu direkt unter dem Text.