Ausmisten – in Deinem Kopf!

Na, hast Du nach Weihnachten auch gedacht, dass es endlich mal wieder an der Zeit wäre, Deinen Kleiderschrank auszumisten? Oder den Keller? Oder die Garage? Viele nutzen die Tage zwischen den Jahren um mal wieder ordentlich aufzuräumen. Liegt ja auch nahe, man hat etwas Zeit und zu Weihnachten wieder so viel neuen Kram bekommen, dass man eh keinen Platz hätte, alles unterzubringen, wenn man den Platz nicht schaffen würde.

Auch ich habe die Tage nach Weihnachten genutzt um auszumisten. Wobei ich weder meinen Kleiderschrank noch meinen Keller ausgemistet habe, ich habe an einem noch viel wichtigeren Ort ausgemistet. Nein, nicht im Kühlschrank. Obwohl mir da schon seit bestimmt zwei Wochen eine Plastikdose begegnet, bei der ich mich nicht mehr erinnern kann, was ich dort hinein getan habe. Grün und haarig war es jedenfalls nicht. 

[Tweet „Haarige Dinge gehören nicht in den Kühlschrank.“]

Noch wichtiger als der Kühlschrank also… Was könnte das sein? OK, der Titel verrät es schon: Es ist der Kopf. Ja, auch in Deinem Kopf sammeln sich mit der Zeit Dinge an, die Du vielleicht mal gebraucht hast, die ihre Zeit und ihren Sinn hatten, aber mittlerweile einfach überflüssig sind. Nicht nur das, diese Dinge sind inzwischen sogar unnötiger Ballast. So wie Du in Deinem Kleiderschrank die wirklich schönen Teile zwischen den verwaschenen alten Dingern nicht mehr findest oder den leckeren Kuchenrest von neulich im Kühlschrank vergisst, genau so gehen Deine wirklich wichtigen und aktuellen Gedanken in Deinem Kopf-Chaos unter.

Deshalb macht das Ausmisten in Deinem Kopf ja auch so viel Sinn. Raus mit den überflüssigen alten Gedanken! Nur wie? Welche Gedanken sind verwaschen, zu klein oder aus der Mode, welche Gedanken haben ihre Farbe, ihre Oberflächenstruktur oder ihren Aggregatszustand verändert oder bewegen sich sogar schon? (Dann wird es wirklich höchste Zeit!) Nun, nicht jeder Gedanke in Deinem Kopf ist ein Saisonartikel oder mit einem Haltbarkeitsdatum versehen, manche sind auch zeitlose Klassiker, die nicht verwaschen (schwarze Ledergürtel) oder sie laufen einfach nie ab (Sambal Oelek). Wie sortierst Du hier?

Lass uns an dieser Stelle etwas genauer hinschauen, wie die Struktur dieser Gedanken aussieht. Wenn Du die Gedanken in Worte fasst, wie fängt dann die Beschreibung an? Alles in der Art von „das erste Date mit Simone, das war bei diesem netten Italiener…“ oder „der Abend, als wir Mädels in dem Ferienhaus an der Nordsee so betrunken waren…“ darf bleiben. Das fällt alles in die Kategorie Erinnerungen. Darunter können natürlich auch weniger schöne Erlebnisse sein, doch auch die brauchst Du nicht auszusortieren, denn durch sie hast Du ja etwas wichtiges gelernt und bist heute der Mensch, der Du bist. (Falls es eine weniger schöne Erinnerung gibt, die dich auch dann belastet und in Deinem Leben einschränkt, auch wenn Du nicht gerade bewusst an sie denkst, dann hilft Dir vielleicht ein gezieltes Coaching dazu.) Dann gibt es Gedanken wie „morgens geht die Sonne auf“, „draußen ist es kälter als nachts“ oder „IKEA an Brückentagen ist die Hölle“. Nennen wir sie mal physikalische Tatsachen, die sind OK, dürfen auch bleiben. Jetzt gibt es noch Gedanken wie „morgen Kartoffeln kaufen“ oder „Samstag die Hemden aus der Reinigung holen“, die haben einen aktuellen Sinn, blockieren damit aber trotzdem wichtigere Gedanken. All diese Pläne & Termine gehören in Deinen Kalender oder auf eine To-Do-Liste. Schließlich gibt es noch Gedanken deren Beschreibung so in der Art klingt: „Mit fremden Menschen spricht man nicht.“, „In der Öffentlichkeit aufzufallen ist peinlich.“ oder „Wenn man nicht tut, was Gott will, kommt man in die Hölle (Brückentag bei IKEA, s. o.).“. Diese Gedanken haben auch eine ganz eigene sprachliche Struktur, wie Du im Vergleich sicher erkennst. Sie ist ähnlich der Struktur der physikalischen Tatsachen, mit dem inhaltlichen Unterschied, dass die physikalischen Tatsachen messbar sind (Sonnenaufgang, Temperaturunterschiede, Besucherzahlen – in der Hölle). Diese Gedanken sind also nicht messbar, sie leben davon, dass Du an sie glaubst. Deshalb heißt die Kategorie, unter die diese Gedanken fallen, Glaubenssätze.

Das spannende an Glaubenssätzen ist, dass sie durchaus förderlich sein und Dir Klarheit über Deine Persönlichkeit und Deine Bedürfnisse verschaffen können. Wenn für Dich der Glaubenssatz „Wenn ich Erfolg habe, geht es mir gut.“ Gültigkeit besitzt und es Dir damit tatsächlich gut geht, dann kannst Du in Deinem Leben dafür sorgen, dass er erfüllt wird. Wenn dieser Glaubenssatz allerdings auf der anderen Seite bedeutet „Wenn ich keinen Erfolg habe, geht es mir schlecht.“, dann kann das zu einer ziemlich stressigen Angelegenheit für Dich werden. Deswegen ist es wichtig, Glaubenssätze gründlich zu überprüfen, und zwar regelmäßig! (Das ist übrigens auch ein Glaubenssatz.)

[Tweet „Manche Menschen sind Gedanken-Messis, sie sammeln Müll in ihren Köpfen.“]

Wie gehst Du dabei am besten vor? Der einfachste Weg das zu tun, ist zu hinterfragen, ob es Dir heute gut tut, nach diesem Glaubenssatz zu leben und ob es Dir ohne ihn vielleicht besser ginge. Falls Letzteres der Fall ist, stell Dir mal die Frage, was der Glaubenssatz für Dich sicherstellt, welcher Wert (z. B. Sicherheit oder Anerkennung) dadurch für Dich erfüllt wird. Wenn Du den Wert gefunden hast, kannst Du Dich fragen, was es noch gibt, was diesen Wert für Dich sicherstellen könnte. Wenn Du Alternativen gefunden hast, dann gehe sie durch und vergleiche sie mit dem ursprünglichen Glaubenssatz. Können sie den Wert genau so gut sicherstellen, fühlen sich für Dich aber stimmiger und angenehmer in Deinem Leben an? Glückwunsch, dann hast Du funktionierende Alternativen gefunden, und kannst den alten Glaubenssatz jetzt aussortieren. Frag Dich vorher am besten noch mal, ob Du das wirklich willst und ob Du vorher vielleicht noch etwas brauchst, damit Du den alten Glaubenssatz aussortieren kannst. Falls nein, ab in die Tonne damit!

Das war jetzt alles ziemlich theoretisch, gehen wir den ganzen Vorgang also noch mal an einem konkreten Beispiel durch. Nehmen wir mal den Glaubenssatz von oben: „Wenn ich Erfolg habe, geht es mir gut.“

Tut es Dir gut, nach diesem Glaubenssatz zu leben? Ja? Wunderbar. Was ist mit seinem Gegenstück: „Wenn ich keinen Erfolg habe, geht es mir schlecht.“ Fühlt sich nicht so gut an? Macht ganz schön Druck? Diesen Druck willst Du nicht mehr haben? Alles klar! Welches Gefühl stellt dieser Glaubenssatz sicher? Anerkennung, in Ordnung. Gibt es etwas anderes, was Dir auch Anerkennung verschafft?  Wenn Dir jemand zuhört und Deine Gedanken und Gefühle ernst nimmt. Gibt es jemanden, der das tut? Partner, wunderbar. Noch jemand? Dein großer Bruder, klasse. Bekommst Du von diesen Personen auch Anerkennung, wenn Du keinen Erfolg hast? Ja? Sehr schön. Nachdem Du nun weißt, dass Du Anerkennung auch unabhängig von Deinem Erfolg bekommst, brauchst Du dann noch den Glaubenssatz „Wenn ich keinen Erfolg habe, geht es mir schlecht.“? Nein? Dann darfst Du diesen Glaubenssatz jetzt aussortieren!

So in der Art läuft übrigens auch ein Coaching zum Thema Glaubenssätze ab. Das war jetzt nur ein Beispiel und das heißt nicht, dass das alles immer so reibungslos klappt. Manchmal tauchen im Verlauf des Hinterfragens Hindernisse oder Blockaden auf, von denen Du bisher nichts wusstest. Dann ist schon eine etwas intensivere Arbeit nötig. Doch den Grundansatz, Deine Glaubenssätze zu hinterfragen und evtl. Alternativen zu finden, falls sie Dir nicht mehr gut tun, das kannst Du auch. Also, nutze den Start ins neue Jahr zum Aussortieren und miste jetzt aus in Deinem Kopf. Und wenn Du an einer Stelle nicht weiterkommst, Du weißt ja wo Du mich findest. Ich bin gerne für Dich da!

Bildquelle: Pixabay

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