Experiment: Eine Woche auf alles scheißen.

Bock auf ein Experiment? Lampenfieber, Auftrittsangst, Leistungsdruck, Stress, eine Woche haben sie alle in Deinem Leben nichts zu suchen. Eine Woche lang werden sie Dich nicht beeinträchtigen, Dich ausbremsen oder Dir auf die Nerven gehen. Denn eine Woche lang wirst Du auf alles scheißen.

Gleich mal vorweg: Die Formulierungen, die ich in der Überschrift und im folgenden Text verwende sind metaphorisch gemeint. Wenn Du demnächst zu Deinem Chef ins Büro zitiert wirst, weil Du dem nervigen Kopierer mal gezeigt hast, was Du von seinem Papierstau hälst, dann übernehme ich dafür keine Verantwortung. Ich geh‘ sogar noch weiter – Ich scheiß‘ drauf!

Wenn Du auf etwas scheißt, ist es Dir egal. Mehr noch, es geht schon in Richtung Respektlosigkeit, die Du dieser Sache entgegenbringst. Respektlosigkeit im Allgemeinen will ich an dieser Stelle gar nicht propagieren, im Gegenteil. Doch wir reden ja hier auch über Dinge, die Dich in Deinem Leben behindern, die also eine viel zu hohe Bedeutung haben, als ihnen eigentlich zusteht. Indem Du diesen Dingen mit Respektlosigkeit und Gleichgültigkeit begegnest, nimmst Du ihnen den Wind aus den Segeln und sie werden dadurch neutraler. So lange Du keine Angst davor hast, nass zu werden, weil Du einen Regenschirm dabei hast, ist es Dir doch auch ziemlich egal, ob es regnet oder nicht, stimmt’s?

Nehmen wir mal das Gefühl, das Du Deinem Publikum entgegenbringst. Wenn Du Lampenfieber hast, dann ist dieses Gefühl geprägt von Angst und Unsicherheit. Du weißt nicht so recht, wie Du Dich Deinem Publikum gegenüber verhalten sollst, einerseits möchtest Du souverän wirken, andererseits hast Du auch Angst, dass sie Dich für arrogant halten könnten, wenn Du Dir Deiner Sache zu sicher bist. Du willst Deine Inhalte überzeugend rüberbringend, aber gleichzeitig auch nicht riskieren, dass jemand vielleicht einen Fehler findet und Dich bloßstellt. Irgendwie glaubst Du, Dein Publikum ist klüger als Du, besser als Du, mehr wert als Du und vielleicht sogar, dass es Dir etwas Böses will. Deswegen hast Du Angst vor ihm. Genauer gesagt: Ehrfurcht.

Du hast das Wort Ehrfurcht sicher schon mal gehört, aber hast Du Dich auch schon mal damit beschäftigt, was es genau bedeutet? Es besteht aus zwei Teilen, Ehre und Furcht. Du erbietest jemandem oder etwas Ehre, indem Du ihn, sie oder es fürchtest. Hä? Es könnte auch bedeuten, dass Du jemanden ehrst, weil Du ihn fürchtest. Doppel-Hä? So oder so, Ehr-Furcht ist Bullshit. Womit wir wieder beim Thema wären. Also, scheiß drauf!

Ehrfurcht ist einer der zentralen Gründe, warum Du Lampenfieber hast. Du fürchtest Dein Publikum und versuchst es zu ehren, damit es Dir nichts tut. Dadurch machst Du Dich klein. Das funktioniert aber nicht, wenn Du auf der Bühne stehst. Dort ist es wichtig, dass Du groß und präsent bist, Ausstrahlung hast. Das bedeutet nicht, dass Du Dich von Deiner inneren Haltung über Dein Publikum stellen sollst, bleib, was Deine Wertschätzung angeht, mit ihm auf Augenhöhe. Aber eben auch nicht darunter. Deswegen steh‘ zu Deinem (Selbst-) Wert und sei selbstbewusst (mehr über das Thema Selbstbewusstsein erfährst Du hier).

Ich nenne Selbstwert und Selbstbewusstsein hier zwar im selben Atemzug, das heißt aber keineswegs, dass das das Gleiche ist. Vielleicht erinnerst Du Dich noch an meinen Blogartikel Von Selbstwert und Freiheit, darin habe ich die beiden Begriffe gegenübergestellt und Dir den Unterschied verdeutlicht. Eine zentrale Erkenntnis aus dem Artikel ist ja, dass Selbstwert die Basis dafür ist, dass Du Dein Leben nach Deinen eigenen Vorstellungen so gestalten kannst, wie Du es möchtest. Das nennt man auch Freiheit. Tja, und Freiheit bedeutet auch, dass man nicht alles so wahnsinnig wichtig nimmt und wenn einem etwas auf die Nerven geht, dass man dann einfach mal drauf scheißt.

Ich habe letztens mit einem Freund zusammen ein paar Youtube-Videos gedreht (bald mehr dazu hier), und da haben wir in einer Drehpause auch kurz über das Thema Selbstbewusstsein und Selbstwert gesprochen. Er meinte zu mir, ich sei ja schon ein echter Rampenpfau, sehr von mir überzeugt. Ich entgegnete ihm, der selber auch ziemlich was auf dem Kasten hat und das auch nicht versteckt, dass er ja auch nicht von schlechten Eltern sei und auch sehr selbstbewusst rüberkomme. Das, was er daraufhin sagte, was sein Geheimnis sei, warum er so wirke, genau das hat mich zu diesem Artikel inspiriert:

[Tweet „Ich scheiß auf alles!“]

Einzige Ausnahme: Seine Familie. Und damit kommen wir zu einer wichtigen Eingrenzung, die ich Dir für Deine Scheiß-Woche mit auf den Weg geben möchte. Verhalte Dich jetzt nicht wie die Axt im Walde, denn die Menschen oder Dinge, die Dich nicht einschränken oder Dir schlechte Gefühle bereiten, haben es auch nicht verdient, dass Du auf sie scheißt. Auch wenn drauf scheißen ein passiver, aggressionsfreier Akt ist, entziehst Du dem jeweiligen Objekt damit Deine Wertschätzung. Deshalb noch eine wichtige Unterscheidung: Scheiß auf Dein Lampenfieber, Deine Auftrittsangst oder Deine Nervosität, aber nie-nie-niemals auf Dein Publikum. Dein Publikum hat immer Deine Wertschätzung verdient, denn diese Menschen schenken Dir das Wertvollste, was sie haben – ihre Zeit.

Sollte trotzdem mal ein Gefühl in Dir aufkommen, dass Dein Publikum Dich nicht wertschätzt, frag Dich warum und was Du tun kannst, damit sie es tun. Es mag sicher die ein oder andere ganz seltene Ausnahme geben, aber im Normalfall wird Dir Dein Publikum nur die Haltung spiegeln, die Du selbst ihm entgegenbringst. John F. Kennedy gilt als einer der berühmtesten und vor allem beliebtesten Redner aller Zeiten. Abgesehen von rhetorischen Techniken, über die Du in meinem Newsletter bald noch mehr erfahren wirst, hatte er einen ganz einfachen Trick. Er hat sich vor jeder Rede, vor jedem Vortrag, wann immer er zu seinem Volk und der Welt gesprochen hat, gesagt: „Ich freue mich, jeden einzelnen von euch zusehen. Ich freue mich, jetzt genau Dich zu sehen!“ Das war nicht einfach nur eine Floskel für ihn, die er vor den Auftritten seelenlos runtergebetet hat. Er hat das gelebt, das war seine Haltung. Und das ist so eine kraftvolle und wertschätzende Haltung, dass sie allein schon einen Großteil seines Erfolgs ausmachte. Mit genau dieser Haltung kannst auch Du in Zukunft Deinem Publikum begegnen. Ach, Du möchtest das lernen? Dann trag Dich schon mal hier ein!

Also, die Menschen im Publikum sind Deine Freunde. Sie wollen Dir nichts Böses, im Gegenteil, sie helfen Dir sogar, während Deines Auftritts, während Deiner Präsentation oder während Deines Vortrags alles zu geben. Hey, sie hören Dir zu! Das bedeutet, dass Sie Dir vertrauen. Zumindest bis zu einem gewissen Grad. Und mindestens bis zu diesem Grad kannst Du Dir selbst doch auch vertrauen, oder? Diese Menschen kennen Dich nicht wie Du Dich kennst, und diese Menschen fühlen nicht was Du fühlst, und trotzdem vertrauen sie Dir. Also vertrau auch Du Dir. Hab‘ Selbst-Vertrauen, sei Dir das selbst Wert. Und alles, was dieses Selbstvertrauen und diesen Selbstwert nicht unterstützt: Scheiß drauf!

Probier‘ es einfach mal eine Woche aus, wann immer Dich so ein Gefühl runterzuziehen versucht, denk an meine Worte und scheiß drauf. Auch wenn es Dir die ersten Male vielleicht noch nicht so ganz leicht fallen wird und sich noch etwas in Dir sträubt, je öfter Du es ausprobierst, desto leichter wird es Dir fallen und desto besser wird es auch funktionieren. Es ist ein bisschen Übung, aber glaub mir, das ist es wert. Und wenn Du das mit dem drauf scheißen eine Woche getestet hast, dann kannst Du Dir aussuchen ob Du es weitermachen, oder doch lieber wieder zurück zum alten Muster und Dich von unnützen Dingen runterziehen lassen willst. Es ist Deine Entscheidung. Die kann und will ich Dir auch nicht abnehmen. Aber wenn Du mal nicht genau weißt, wie Du in einer bestimmten Situation drauf scheißen sollst oder Du Dich vielleicht einfach nicht traust, dann helfe ich Dir gerne. Zur Not auch mit einer Rolle Klopapier.

Bildquelle: Pixabay

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